Ein erlebnisreicher Tag in Budapest

Etwa 385 km auf der E60 (in Österreich A21), lagen nun vor uns. Nach wie vor begleitete uns die Hitze. Es konnte nicht anders sein, auch die zweite Etappe enthielt viele Baustellen. Die Route führte uns südlich an Wien und nördlich am Neusiedler See vorbei. Hier eine Vesper - Pause  und bald war Györ erreicht. 

Obwohl das Navi sich große Mühe gab, hatte es in Budapest größere Probleme uns zum Hotel zu führen. Grund auch hier: Baustellen. Zu allem Überfluss fand es nicht den Eingang der Hotelrezeption, sodass wir zunächst die Einfahrt zur Tiefgarage blockierten. Doch ich fand den Hintereingang und an der Rezeption erhielt ich schnell die Karte zum Öffnen der Tore der Tiefgarage. Wir atmeten tief durch und entnahmen dem "Tiger" das benötigte Gepäck für die zwei Übernachtungen. 

Das Einchecken verlief problemlos, sehr freundlich wurden unsere Fragen beantwortet und bald erreichten wir unser wunderschönes und großes Zimmer. Hotel war zwar etwa 4 km vom Zentrum entfernt, aber mit Nahverkehr gut angebunden. 

Am nächsten Morgen erwarteten uns nach dem Frühstück unsere lieben Freunde Piroska und Barna vor dem Hotel. Bereit uns IHR Budapest zu zeigen, an Orte gemeinsamer Begegnungen vor Jahrzehnten zu gehen.

Doch zunächst "tankten" wir genügend kühles Wasser, veredelt durch den köstlichen Wein ihres Weinberges. Die Wohnung lag ideal, um die "Sightseeing-Tour zu beginnen. Uns kam zugute, dass in Ungarn Rentner freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln haben. Ohne Probleme kamen wir  "Alten" durch die Gesichtskontrolle. 

Zunächst besuchten wir den Heldenplatz und das angrenzende Stadtwäldchen mit vielen Sehenswürdigkeiten auf der Pester Seite. Mit Barna führte uns ein wandelndes "Geschichtsbuch" durch die Stadt. Das anlässlich der Weltausstellung 1896 erbaute Millen-niumsdenkmal, wo von der Säule in 36 m Höhe der Erzengel Gabriel auf uns schaute, ist quasi der Mittelpunkt, um den sich Sehenswürdigkeiten wie das Heldendenkmal, die Kunsthalle,  Burg Vajdahunyad und die Nachbildung des romanischen Portals der St. Georgskirche von Jak (alles im Rahmen der Weltausstellung 1896), das  Szechenyi-Thermalbad, der davor liegende kleine See, im Winter als Eisbahn und im Sommer zum Bootfahren und Relaxen von den Budapestern genutzt, und das Stadtwäldchen mit seinen Erholungsmöglichkeiten, wo sich auch der Zoologisch-Botanische Garten und das beliebte Restaurant Gundel platzieren.   

Zum Schluß besuchten wir noch einen Markt, der hinter dem Landwirtschaftsmuseum (Gebäude gehört zur Vajdahunyad-Burg auf der Szechenyi-Insel) stattfand. 

Barna ließ uns ins Auto einsteigen und bald erreichte er den Parkplatz an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Direkt an der Donau und neben der Kettenbrücke gelegen, erschloss sich uns ein fantastisches Panorama mit dem Burgpalast, der Matthias-kirche und der Donau. Langsam bummelten wir über die Kettenbrücke, immer wieder innehaltend, um die Schönheit der Bebauung des Budaer Berges auf uns wirken zu lassen.  

Wir bemerkten kaum die Hitze, denn ein leichter Wind über der Donau brachte ein wenig Kühlung. Die Matthiaskirche mit der Fischerbastei und am Budaer Ufer die reformierte Kirche mit ihrer auffallenden Bedachung ziehen die Blicke auf sich. 

Oberhalb der Brücke dominiert der Burgpalast und das umgebaute prachtvolle Karmeliterkloster, das Ministerpräsident Orban seit Anfang des Jahres als Regierungssitz in Besitz genommen hat. Blickt man zurück auf die Pester Seite dominiert bald das Parlament das Donauufer. Während unseres Aufenthaltes wurde gerade das verunglückte Ausflugsschiff geborgen (gelbe Kräne).

Die Kettenbrücke selbst ist immer wieder ein Erlebnis, die man unbedingt einmal zu Fuß überqueren sollte. Kommt man der Budaer Seite näher, rückt immer mehr der Burgpalast in das Sichtfeld. Am Ende der Brücke befindet sich die Station der Standseilbahn zum Burgberg. Schaut man nach links, sieht man den 235 m hohen Gellertberg mit dem 40 m hohen Freiheitsdenkmal.

Das nächste Ziel war das Burgviertel auf dem Burgberg. Zunächst besichtigten wir das Gelände des Burgpalastes. Der Burgpalast ist das größte Gebäude Ungarns und früherer Sitz der ungarischen Könige. Heute bestimmen Museen und Ausstellungen die Nutzung des Palastes.

Auch Denkmäler ziehen die Blicke auf sich. Fantastische Aussichten auf die Donau und die Budaer Seite mit dem Parlament bieten sich dem Besucher.

Wir nutzten das Angebot eines Touristen, der für uns ein Erinnerungsfoto schießen wollte. Er hatte bestimmt Mitleid, als er unsere nicht erfolgreichen Bemühungen für ein Selfie sah.

Wir nahmen den Weg zum Dreifaltigkeitsplatz mit der Matthiaskirche, der Pestsäule und der Fischerbastei. Trotz der heißen Temperaturen über 30°C waren tausende von Touristen unterwegs - den Laden- und Restaurantbesitzern an dieser Meile zur Freude. Zunächst vorbei am neuen Regierungssitz, dann einen Blick zu den Ausgrabungen und über die Dächer von Buda hinüber zum Szèchenyi-hegy - Sendeturm, vorbei an einem Reiterstandbild folgten wir dem Menschenstrom.

Zunächst einen Blick und etwas Erholung im Schatten von alten Bäumen und Gemäuern auf einer Bank in einem Innenhof - ein toller Tipp von Barna. Erst nach dieser Verschnaufpause widmeten wir uns der Besichtigung der o. g. weltbekannten Sehenswürdigkeiten. 

Der Andrang am Museum war groß, doch unsere Zeit sehr knapp. Deshalb entschlossen wir uns schweren Herzens zum Verzicht. Die Bauten und Ausblicke der Fischerbastei (Halászbástya) hielten uns gefangen. Man konnte einfach nicht genug bekommen - ein "Augenschmaus". An jeder Biegung neue Eindrücke, auch beim Abstieg, zu dem wir die Treppe wählten. Auch die Margaretheninsel ist auf dem 2. Foto zu erkennen.

Piroska und Barna hatten eine Überraschung für unsere Ankunft in Nähe des Donauufers angedeutet. Wir waren neugierig.

Und die Überraschung gelang. Wir wurden zu einem Fischessen in einem netten Restaurant unweit der Donau eingeladen. Es war ein Geheimtip von Barna. Zunächst ein großes Glas Gespritzter, wunderbar kühl serviert.

Wir nahmen innen trotz Markise wegen der Wärme Platz. Hier umfing uns eine angenehme Temperatur. Nun begann eine Zeit der Erholung von den Strapazen und Sammlung neuer Kräfte für die Besichtigung weiterer Sehenswürdigkeiten.

Nochmals grüßte uns das Parlament, eine historische Straßenbahn fuhr quietschend vorbei und wir begaben uns zur U-Bahn, um u. a. das Parlament von der anderen Seite zusehen.

Doch auch die anderen Gebäude sehr beeindruckend wie das Völkerkundemuseum. Leider fehlte die Zeit um einen Blick in das Innere zu werfen. Langssam ließ auch die Kondition nach. Es kam uns deshalb das nächste Ziel entgegen, was etwas Erholung versprach: Das Hotel und Café  "New York Palace". Von außen schon imposant, doch was uns im Inneren an Prunk erwartete, überstieg unsere Vorstellungen. Hier genossen wir die Ruhe, ließen unsere Blicke in Ruhe diese Pracht aufsaugen. 

Es waren Momente, die man wahrscheinlich Zeit seines Lebens nicht vergisst. 

Wir ließen uns Zeit für das  Café, gingen in den oberen Bereich, wo man auch auf einer Art  Galerie bedient wird, und das Cafè im unteren Bereich betrachten kann. Es musste die Zeit sein, um diesen Luxus auf uns wirken zu lassen.

Wer kann nicht verstehen, dass einen Moment auch einmal der Wunsch aufkommt, in diesem Hotel zu nächtigen? Ich könnte mir zumindest vorstellen, hier meine Memoiren zu schreiben, doch diese werden wohl niemand interessieren. Mit neuer Kraft verlie-ßen wir das Hotel und Café. 

Zum Schluss noch ein kurzer Bummel, mit schweren Beinen und schwitzend, durch die Stadt und natürlich noch zur Basilika. 

Es war Gottesdienst, deshalb blieben wir dezent im Hintergrund, um die Gläubigen nicht zu stören. Ein prunkvoller Bau, beeindruckend die Kuppel. 

Wir verließen bald die Kirche und vor dieser war eine Bühne aufgebaut, auf der eine Veranstaltung mit jugendlichen Künstlern und Trachtengruppen verschiedener Länder stattfand. Schön sahen die Kinder in ihren Landestrachten aus, die man auch in der Stadt traf.

Ein wunderschöner und anstrengender Tag ging zu Ende. Ein großes Dankeschön an unsere Stadtführer und Begleiter Piroska und Barna, die uns spätabends wieder im Hotel "ablieferten"!  Ein tolles Wiedersehen nach Jahrzehnten einer noch schöner gewordenen weltoffe-nen Stadt.

Im Hotel schauten wir erstaunt auf unsere Fitness-Uhr: 

Fast 13 km zeigte diese an, die wir in der heutigen Hitze zurückgelegt hatten. Das musste anerkannt werden, immerhin sind wir auf dem Weg ins achte Lebensjahrzehnt, und so gönnten wir uns in der Lobby-Bar noch ein großes Bier bzw. Ilona einen alkoholfreien Erfrischungscocktail.

Es galt neue Kräfte zu schöpfen, denn am nächsten Tag ginges weiter nach Keszthely am Balaton in unserere für 10 Tage gemietete Ferienwohnung.